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Wir schreiben Freitag, den 25. September 2009. Um 0445 beginnt für zwei Zofinger der Sektion HSL jener Morgen, welcher als dem Gründungstag des Club der Zofinger Bergfreunde zugehörig in die Annalen eingehen soll.
Mit den Nachwirkungen des vorabendlichen Stammes und reichlich Gebirgsmaterial im Gepäck geht es auf Richtung Furkapass. Rund zwei Stunden später, der Chronograph zeigt nun 0730, beginnt der Aufstieg zum Galenstock. Auf anfänglich gutem Wanderweg und anschliessend etwas mühsamen Geröllfeld wird zügig zum Siedelengletscher aufgestiegen. Wie versprochen wird der umsichtige Zofinger mit dem Fund von Bergkristallen belohnt. Gestärkt von der ersten Ovo-Schoggi geht es nun über den Gletscher hinauf am Hannibal-Tower vorbei zum Einstieg in die Kletterpassage.
Nach einem unfreiwilligen aber vorzüglich gemeisterten Gletschersturztraining beginnt der Vorstieg in die mit dem dritten Schwierigkeitsgrad angekündigte Wand, und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Um es kurz zu machen, gut eine Stunde und ca 20 Höhenmeter später musste eingesehen werden, dass der Tourenbericht ziemlich schlecht und wir am falschen Grat waren. Der einzige Vorteil dieser Eskapade war, dass ein durchfrorener und ein adrenalingetränkter Zofinger aus erhöhter Sicht den korrekten „Weg“ über den Gletscher erspähten. Trotz der unterdessen fortgeschrittenen Stunde – sprich Mittag - entschied man sich, den Gletscher weiter aufzusteigen, um für einen nächsten Versuch wenigstens mit Sicherheit die Einstiegsroute zu kennen.
Getragen auf einer Welle der Euphorie - da wir endlich an der richtigen Stelle angelangt waren - wandelte sich das Eis unter den Füssen ehe wir uns versahen in Geröll und Sand und schliesslich zu festem Felsen. Die Kletterei entsprach nun eher der vorangekündigten Schwierigkeit, allerdings war von der versprochenen guten Absicherung leider weit und breit keine Spur. Der Fels entpuppte sich zeitweise sogar als derart lose, dass ein Abstieg schlicht keine Option mehr darstellen konnte. Mit diesem Wissen und dem Zeitfaktor im Genick trieb es uns somit den Berg hoch, um via der Abseilstelle wieder auf den Gletscher zurück gelangen zu können. Als wir um 1600 mit reichlich Glück in einem beinahe fatalen „Unfall“ endlich den Gipfelgletscher erreichten, war das erste Gefühl von Erleichterung zu verspüren. Wer hätte da gedacht, was uns noch erwartet.
Nach erneuter Konsultation der Karte und des Tourenbericht sollten die 100 Meter zur „super markierten“ Abseilstelle unter die Eisen genommen werden. Dumm halt, wenn es sich dabei nicht wie angegeben um 100m bergaufwärts, sondern talwärts handelt. Die Suche nach der Abseilstelle verwandelte sich somit zu einer Odyssee, welche einzig durch den Anblick des Vorgipfels etwas entlohnt wurde, als sich die mittlerweile dichte Nebelsuppe kurz zerriss, um ein paar Sonnenstrahlen auf die Schneekuppe fallen zu lassen. Glücklicherweise stossen wir auf ebendiesem Vorgipfel auf talwärts führende Spuren, welche die langsam aufkommenden Sorgen auf eine Gipfelübernachtung zerstreuen. Es ist nun 1700 und wir haben die tatsächlich gut markierte Abseilstelle erreicht. Dass der Mantel unseres Seiles beim Aufstieg beschädigt wurde und dieses nun einen ziemlich erbärmlichen Eindruck macht ist nun nur noch sekundär. In rekordverdächtigem Tempo lassen wir die 160 Höhenmeter hinter uns und finden uns endlich auf dem Gletscher wieder.
Als letztes Stück bis zum sicheren Wanderweg stehen uns nun noch ca anderthalb Stunden Gletscherwanderung bevor, die geschätzte Zeit bis zum Sonnenuntergang sind ca 60 Minuten. Somit beginnt das Rennen gegen die Zeit und erstaunlicher Weise konnten wir mit den letzten Sonnenstrahlen unsere Eisen ablegen und die Ausrüstung nahe des Gletscherendes verstauen. Mit dem letzten fahlen Licht wurde die weitere Marschrichtung bestimmt, an welcher festzuhalten es fortan im Kegel der Stirnlampen galt. Nach dreifacher Überquerung des Siedelenbaches und der Bezwingung einer Seitenmoräne kam dann endlich die Erlösung: der Wanderweg zur Siedelenhütte, markiert durch die schönsten Farben der Welt, welche wir fortan wohl noch etwas mehr lieben werden als bisher.
Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt; es folgte ein beschwingter Abstieg durch die absolute Dunkelheit, welche durch faustdicken Nebel erträglich gemacht wurde. Um ca 2130 erreichten wir schliesslich gut gelaunt und um viele Erfahrungen reicher den Parkplatz beim Hotel Furka. Als wir zehn Minuten später schliesslich sogar unser glücklicherweise weisses Auto im Nebel orten konnten und uns endlich das hartverdiente Mittagessen einverleibten, war der Weg zur Heimreise geebnet.
Fazit: Selten hat sich ein Gipfel so zur Wehr gesetzt wie der Galenstock. Allen Widrigkeiten zum Trotz und mit einer hübschen Portion Glück sind wir wenigstens moralisch die Sieger. Eins jedenfalls steht fest: Rückzug gibt es nicht, Galenstock wir kommen wieder und schnappen uns auch noch die letzten 100 Meter!
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